J. F. Weule
J. F. Weule war eine renommierte Turmuhrenfabrik und Glockengießerei, die von 1836 bis 1966 in Bockenem im Ambergau tätig war. Gegründet von Johann Friedrich Weule, erlangte das Unternehmen durch Neuerungen wie die wöchentlich (statt täglich) aufzuziehende Uhr für die St.-Petri-Kirche in Buxtehude Bekanntheit. Nach einem verheerenden Brand in Bockenem gründete der Firmengründer 1848 eine Feuerwehr und baute kurz darauf seine erste Turmuhr für die Marktkirche in Goslar.
Unter der Leitung seines Sohnes Friedrich Weule expandierte das Unternehmen ab den 1880er Jahren auch in den Glockenguss und modernisierte mit Dampfmaschinen sowie elektrischen Generatoren. Die Produkte fanden weltweit Absatz, und während des Ersten Weltkriegs stellte man neben Eisenhartgussglocken auch Kriegsmaterial her.
Die politische Verstrickung des Unternehmens zeigte sich im Nationalsozialismus, als Friedrich Weule jun., ein bekennender Hitler-Verehrer, kurzzeitig das Amt des Bürgermeisters übernahm und zur Olympiade 1936 ein Glockenspiel fertigen ließ. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Fabrik kriegswichtig; nach Kriegsende konzentrierte man sich wieder auf Turmuhren und Glocken.
Trotz eines Versuchs, ins Textilmaschinengeschäft einzusteigen, musste das Unternehmen schließlich Konkurs anmelden. Die Wilhelmshütte führte den Betrieb zeitweise weiter, doch endete auch diese Ära 1966 mit dem Konkurs der Wilhelmshütte.
Heute erinnert das Turmuhren- und Heimatmuseum Bockenem an J. F. Weules Schaffen durch Ausstellung alter Uhren und Dokumentation der Firmenhistorie. In der App sind Werke aus Bronze (1922) zu sehen – entstanden in Zusammenarbeit mit der Glockengießerfamilie Ulrich – sowie Plastiken aus Eisen (1948), welche Zeugnisse des industriellen Kunstschaffens darstellen.
