Der Gebundene

Skulptur; Mahnmal

Künstler: Andrzej Irzykowski

Jahr: 1990-2008 (?)

Auf einem würfelförmigen Block aus Anröchter Dolomit sitzt im Schneidersitz ein kahlgeschorener Mann, dem die Arme mit Tüchern am Körper zusammengebunden sind. An seiner Brust sieht man einen senkrechten Schnitt und er richtet einen schmerzhaften Blick über seine rechte Schulter zum Himmel. Auf dem Steinsockel steht auf zwei Seiten: "1940 - 1943". 'Der Gebundene' ist ein Mahnmal für die Opfer der Provinzialheilanstalt in Eickelborn im Dritten Reich und erinnert an die Euthanasie-Transporte in den Jahren 1940-1943. An den Wegen um die Skulptur wurden im Jahre 2008 15 Bronze-Platten mit den Namen von Opfern der NS-Psychiatrie verlegt. Der Lünener Bildhauer Andrzej Irzykowski schuf dieses Mahnmal im Jahr 1990 im Auftrage des damaligen Leitenden Arztes der Klinik, dem Lüner Dr. Eckhard Ahlert. Sie sollte an die Vergangenheit erinnern und mahnen. Denn 900 psychisch Kranke und geistig behinderte Menschen wurden zwischen 1941 und 1943 im Rahmen der so genannten T4-Aktion aus der damaligen Provinzialheilanstalt Eickelborn in Übergangseinrichtungen außerhalb Westfalens verlegt. Die als "Euthanasie" bezeichnete Ermordung von Kranken erfolgte in sechs speziell dazu eingerichteten Anstalten im damaligen Deutschen Reich. Die Getöteten wurden verbrannt oder namenlos verscharrt. 131 Eickelborner Patienten haben die Tötungsanstalten überlebt. Die Skulptur Irzykowskis zeigt einen Menschen, der hoffnungsvoll himmelwärts schaut, Fesseln fallen ihm von den Schultern. 'Der Gebundene' ist nun an eine für viele Menschen einsehbare Stelle gebracht; die Namen der Opfer sind in Bronze gegossen. Die Anordnung der Tafeln symbolisiert die sieben Transporte. Ihr Anliegen formuliert die Klinik so, dass mit der Veröffentlichung der Namen der Opfer ihnen ihre Identität und Würde zurückgeben soll, die ihnen mit ihrer Ermordung geraubt wurde.". (Quelle: https://www.wr.de/daten-archiv/article1507359/die-wuerde-zurueckgeben.html)