Tor und Doppelwinkel

Tor und Doppelwinkel

Plastik

Künstler: Friedrich Gräsel

Jahr: 1972

Durch dieses „Tor“ kannst du hindurchlaufen – aber pass dabei auf deinen Kopf auf. Das Kunstwerk von Friedrich Gräsel besteht aus zwei skulpturalen Elementen aus grauem Eternit, einem industriell gefertigten Werkstoff aus Asbestzement. Beide Körper bestehen aus großformatigen Röhren mit einem Durchmesser von etwa neunzig Zentimetern, die mehrfach im rechten Winkel abknicken. Diese klaren, geometrisch gebogenen Formen sind zu einer kompakten plastischen Anordnung gefügt: Ein „Tor“, das einen schmalen Durchblick eröffnet, und ein „Doppelwinkel“, der entlang dieser Sichtachse ausgerichtet ist und spitz nach oben weist. Die Plastik steht seit 1986 auf einer leichten Anhöhe westlich der zentralen Achse der Ruhr-Universität Bochum. 1972 wurde es auf der Biennale in Venedig präsentiert und danach von der Uni angekauft. Der erhöhte Standort am Wegesrand ermöglicht verschiedene Blickachsen und betont die Interaktion des Werks mit seiner Umgebung. Durch das Tor wird der Blick auf den Doppelwinkel gelenkt, dessen aufstrebende Linien die umliegende Landschaft visuell mitgestalten. Gräsel verzichtet auf eine farbliche Bearbeitung. Die rohe Oberfläche des Eternits erzeugt durch Licht und Schatten weiche Übergänge und verweist zugleich auf die materialgerechte Ästhetik der umgebenden Universitätsarchitektur. Die Arbeit greift architektonische Themen auf, kehrt sie jedoch ins Skulpturale um: Statt funktionaler Leitungssysteme werden die industriellen Röhren zu freien, zeichenhaften Raumkörpern. In dieser Umdeutung liegt auch der interpretative Gehalt des Titels: Das „Tor“ verweist auf Übergänge, der „Doppelwinkel“ auf Richtungswechsel – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die Plastik wurde in einer Ausstellung in Berlin gezeigt und als sie 1986 wieder zurück an den Campus kam, wurde der Doppelwinkel wohl andersherum aufgestellt (Kunstundbau.nrw).