Grande Diagonale

Grande Diagonale

Plastik

Künstler: Giuseppe Spagnulo

Jahr: 1974

Dieses Werk erhält seine Dynamik über diagonale Linien – wie viele davon kannst du erkennen? Die Bodenplastik von Giuseppe Spagnulo wurde 1974 aus drei industriell vorgefertigten Brammen geschaffen. Sie gehört zur Werkgruppe Ferri spezzati („gebrochene Eisen“). Das Werk besteht aus massivem Stahl, dessen Schnitt- und Bruchstellen mit dem Schneidbrenner ausgeführt wurden. Die dabei entstandenen unregelmäßigen Kanten bleiben sichtbar und werden im Lauf der Zeit durch Korrosion zusätzlich gezeichnet – ein bewusster Hinweis auf Materialveränderung und Vergänglichkeit. Spagnulo durchtrennt die Brammen diagonal fast vollständig, sodass der erhitze Stahl sich im Moment des Nachgebens der Schwerkraft leicht biegt. Die erstarrten Verformungen bleiben als plastisch fixierte Bewegung erhalten. Die drei Stahlblöcke liegen nebeneinander auf dem Boden südlich der Universitätsbibliothek der Ruhr-Universität Bochum. Ihre Anordnung ist so gewählt, dass sich aus den einzelnen Schnittkanten eine imaginäre, durchgehende Diagonale ergibt. Diese gedachte Linie, die über die Skulptur hinausweist, verleiht dem Werk räumliche Tiefe und verbindet die drei Teile zu einem Ganzen. Die zweite Diagonale entsteht durch die verschiedenen Winkel der verbogenen Enden und erzeugt zusätzliche Spannung im Raum. Das schwere Material wirkt durch die aufgebrochenen Formen und sichtbaren Eingriffe überraschend leicht und offen. In dieser Ambivalenz zwischen Massivität und Bewegung liegt die wesentliche Ausdruckskraft des Werks. Spagnulo sieht in der Durchbrechung des geometrisch Vollkommenen einen bildhauerischen Akt der Befreiung – ein Thema, das sich auch politisch in seinem Schaffen der späten 1960er-Jahre widerspiegelt.