Bergmannskuh
Künstler: Hubert Nietsch
Jahr: 1960
Die lebensgroße Bronzeplastik „Bergmannskuh“ von Hubert Nietsch wurde 1960 von der Stadt Herne erworben und stand zuletzt in der Grünanlage am Hölkeskampring, bevor sie im Januar 2026 gestohlen wurde. Die zweiteilige Figurengruppe zeigt einen Bergmann und eine Ziege – ein Motiv, das tief in der Alltagskultur des Ruhrgebiets verwurzelt ist. Die sogenannte „Bergmannskuh“ war eine humorvolle Bezeichnung für Ziegen, die in vielen Bergarbeiterhaushalten gehalten wurden, um die Familie mit frischer Milch zu versorgen. Da die oft schmalen Siedlungshäuser mit kleinen Gärten wenig Platz für größere Nutztiere boten, war die Ziege eine ideale Wahl. Dieses Symbol der Selbstversorgung verweist auf die harten Lebensbedingungen der Bergleute und die Notwendigkeit, sich durch Eigeninitiative eine zusätzliche Lebensgrundlage zu sichern. Nietschs Formen sind reduziert und leicht abgerundet, Details wie Falten oder Muster an der Kleidung sind aber sichtbar. Der sitzende Bergmann hat die Hände im Schoß übereinandergelegt und schaut nach rechts zu seiner Ziege. Die Ziege ist dem Mann mit ihrem Körper zugewendet und hat ihren Kopf erhoben, sodass sich ihre Blicke treffen. Mit der „Bergmannskuh“ hält Hubert Nietsch nicht nur ein Stück Industriegeschichte fest, sondern auch die enge Verbindung zwischen Arbeit, Alltag und sozialer Realität der Bergbau-Region. Daher ist es umso bedauerlicher, dass dieses Kunstwerk nun aus der Öffentlichkeit entwendet wurde.
