Trace
Trace
PlastikKünstler: James Reineking
Jahr: 1972-1975
Welche Spur können wir hier verfolgen? Der Titel gibt uns einen Hinweis auf die Herstellung und Besonderheit dieser Plastik. James Reinekings Plastik „Trace“ (1972–75) besteht aus zwei Teilen aus Corten-Stahl, einem wetterfesten Material, das durch Rostbildung eine lebendige Oberfläche erhält. Ausgangspunkt war ein rechteckiges Stahlblech, aus dem ein kreisförmiges Segment herausgeschnitten wurde. Dieses Segment wurde konkav gebogen und steht aufrecht auf seiner schmalen Schnittkante. Der zweite Teil, der flach auf dem Boden liegt, ist das verbliebene Rechteck mit der entsprechenden Aussparung, die durch das Herausnehmen des Kreissegments entstand. Zusammen definieren die beiden Elemente den Umriss eines imaginären, vollständigen Kreises – eine Form, die als „Negativform“ oder Leerstelle zwischen den Körpern wirkt. Diese Leerstelle ist materiell nicht präsent, wird aber vom Betrachter als Teil der Skulptur wahrgenommen. Die Abmessungen der Skulptur betragen etwa 64 × 304 × 457 cm, bei einem Gewicht von rund 400 Kilogramm. Die Platzierung der Arbeit auf dem Forumsplatz an der Südseite der Universitätsbibliothek der Ruhr-Universität Bochum betont das Zusammenspiel von Objekt und umgebendem Raum. Die Zweiteilung schafft einen markierten Zwischenraum, der die Beziehung zwischen den beiden stählernen Formen sowie zwischen Skulptur und Raum hervorhebt. Die klare geometrische Form und die räumliche Anordnung fordern die Vorstellungskraft der Betrachter, die den gedachten Kreis im Geist ergänzen. Reineking nennt seine Werke „Gefühlskörper“, weil sie sowohl intellektuelle als auch sinnliche Zugänge ermöglichen. Die Arbeit ist offen für Interpretation, indem sie Materialität und Immaterialität, Präsenz und Abwesenheit in Spannung setzt. „Trace“ zeigt, wie einfache geometrische Eingriffe in Stahl komplexe räumliche Wahrnehmungen und Bedeutungen erzeugen können.
