Fenster im Bahnhof Herne

GlaskunstKunst am Bau

Künstler: Jupp Gesing

Jahr: 1953

Über dem östlichen Eingang der Bahnhofshalle von Herne erstreckt sich ein Halbbogenfenster, das 1953 vom Glaskünstler Jupp Gesing gestaltet wurde. Mit einer Höhe von etwa vier Metern und einer Breite von 8,6 Metern setzt es sich aus fünf Abschnitten zusammen, die durch vier Säulen getrennt sind. Das Buntglasfenster zeigt in stilisierter Form die industrielle Vergangenheit Hernes, insbesondere die Zeche „Friedrich der Große“, die bis zu ihrer Stilllegung 1978 das Stadtbild prägte. Kühltürme, Fördertürme, Schornsteine, Zechensiedlungshäuser, eine Kanalbrücke und ein Hafenkran verbinden sich zu einer geschlossenen Komposition aus geometrischen Formen, die die urbane und wirtschaftliche Identität der Stadt thematisierte. Die zurückhaltende Farbigkeit orientierte sich am damaligen Stadtbild und unterscheidet sich von den kräftigen bunten Fenstern die zum Beispiel in Kirchen installiert sind. Gesings Werk ist nicht nur ein künstlerisches Zeugnis der Bergbaugeschichte, sondern auch ein Denkmal für die wirtschaftlichen und sozialen Umbrüche in Herne. Als erste von über 200 Fensterkompositionen des Künstlers markiert es einen frühen Meilenstein in seinem Schaffen, das sich später verstärkt sakralen Räumen widmete. Die Stiftung des Fensters durch die Zeche verweist auf die enge Verflechtung von Industrie und Stadtgesellschaft – ein Verhältnis, das in diesem Werk dauerhaft sichtbar bleibt.