Gedenkstein der alten Nicolaikirche
Künstler: Künstler:in unbekannt
Jahr: 1857 (?)
Im Dortmunder Stadtgarten, nahe der Hansastraße, zeugen gepflasterte Konturen und ein 1,50 m hoher Gedenkstein aus Sandstein von der ehemaligen St. Nicolaikirche, deren Geschichte bis ins Jahr 1198 zurückreicht. Dieser quaderförmige Postament mit einem Säulenstumpf wurde nach dem Abriss der Kirche im Jahre 1812 errichtet und trägt vier Inschriften, die jedoch historisch nicht vollständig korrekt sind: "An dieser Stätte, die ich bezeichne, stand 759 Jahre ein Altar und Tempel, trotzend den Stürmen der Zeit. Wanderer und Nachkommen! Ehret mein Dasein, erhaltet es künftigen Geschlechtern"; "Was 759 Jahre dem Wechsel der Zeiten widerstand und mit Mühen und Opfern erbaut worden ist, daß stürzte ein Machtanspruch des franzöischen Herrschers 1810 nieder"; "Um mich her ruhen Zahllose, die einst mit geweihtem Ernste an heiliger Stätte weilten, und, in Glauben und Hoffnung gestärkt, dem Rufe des Ewigen folgten."; "Entweihe keiner diese geheiligte Erde, die Tausende deckt und verbirgt! Und weilst du, Wanderer, in meiner Nähe beim Sonnenschein oder Sternenschimmer, dann erblicke in meinem Bilde das Vergängliche und über dir das Ewige, wofür du bestimmt bist." Auf einer kleinen Messingtafel aus dem Jahre 1996 heißt es: "Hier stand der Hauptaltar im Chorraum der St. Nicolaikirche (1193-1812)". Sie suggerieren eine längere Existenzdauer der Kirche als tatsächlich belegt ist und interpretieren den Abbruch durch französische Machtansprüche kritisch. Die Kirche selbst war ein frühes Beispiel einer dreischiffigen Hallenkirche am Hellweg und wurde um das Jahr 1250 fertiggestellt. Im Laufe ihrer Geschichte erfuhr sie mehrere Anbauten und Erneuerungen, bevor sie Ende des 18. Jahrhunderts verfiel. Der Gedenkstein entstand in den 1850er Jahren auf dem Gelände der Nicolai-Schule und besteht aus Teilen einer zerstörten Säule – wahrscheinlich Überreste der Nicolaikirche. Eine Messingtafel aus dem Jahr 1996 klärt über den Standort des Hauptaltars im Chorraum auf. Die Neupositionierung des Steins erfolgte erst im Zuge der Neugestaltung des Stadtparks im Jahr 1982 an jener Stelle, wo einst der Altar stand. Der Gedenkstein dient heute als Mahnmal für die Vergänglichkeit menschlichen Schaffens sowie als Erinnerung an die historische Bedeutung dieser sakralen Stätte für Dortmunds Mitte.
