Bilderflut V: Münchhausen

MuralGraffiti

Künstler: Peter Brüssermann, Wolfgang Krell

Jahr: 2000

Das Mural ist bereits übermalt. Das ursprüngliche Mural "Bilderflut V: Münchhausen" war ein partizipatives Kunstprojekt, das im Jahr 2000 in der Dortmunder Nordstadt entstanden ist. Es bildete einen Teil eines kulturellen Wanderpfades und stellt eine öffentliche Ausstellung dar. Inspiriert von den Werken C.L. Immermanns und G.A. Bürgers über Baron von Münchhausen, thematisiert dieses Wandgemälde die Vielfalt des Lügens. Im Vorfeld der Malaktion wurden Kinder und Jugendliche eingebunden, um verschiedene Aspekte des Lügens zu diskutieren und kreative Beiträge zu sammeln. Diese reichten von Synonymen für das Wort "Lügen" bis hin zur größten Lüge oder dem größten Lügner. Die interessantesten Einsendungen flossen in die Gestaltung des Murals ein. Die Fassadenmalerei zeigt Baron Münchhausen auf einer Kanonenkugel reitend – eine Anspielung auf seine berühmten Lügengeschichten. Umgeben ist er von ausgewählten Begriffen und Redewendungen zum Thema "Lügen", welche die vielschichtige Auseinandersetzung mit diesem menschlichen Lastern widerspiegeln. An der aktiven Phase der Wandgestaltung waren drei Jugendliche beteiligt, angeleitet von den Künstlern Peter Brüssermann und Wolfgang Krell (*1969). Das Projekt wurde durch den Planerladen e.V., lokale Schulen sowie den Kinder- und Jugendbereich unterstützt und durch die Ruhr-Lippe-Wohnungsgesellschaft als Hauseigentümerin gefördert. Technisch handelt es sich bei dem Werk um ein Graffiti-Mural, dessen genaue Maße nicht bekannt sind. Mit seiner Vollendung markierte "Bilderflut V" das Ende einer einjährigen Probephase des Stadtteilkulturkonzepts "Bilderflut". Dieses Konzept zielt darauf ab, durch künstlerische Prozesse Wissen zu vermitteln, Randgruppen einzubeziehen und das Image sowie die Identität des Stadtteils positiv zu beeinflussen. Inschrift Front: „Rückert / www.immermann.de / betuppen / verkohlen / flunkern / krücken / verarschen / wer flüstert der lügt / seemannsgarn / alle menschen sind gleich / die hucke volllügen / das sich die balken biegen / ich schwöre / die ente ist eine scheibe / kein mensch will eine mauer bauen / den blauen dunst vormachen / mentir mas que el gobierno / jägerlatein / aus den Fingern saugen / lies / einen bären aufbinden / yalar / pinoccio / lügen wie gedruckt / ammenmärchen / rentenlüge“; „Eilftes Kapitel / Worin der Freiherr seinen Abscheu vor dem Laster des Lügens nicht allein ausspricht, sondern auch betätigt »Was für ein schändliches Laster ist das Lügen! Denn erstens kommt es leicht heraus, wenn einer zu arg flunkert und zweitens kann jemand, der sich´s angewöhnt hat, auch einmal die Wahrheit sprechen und keiner glaubt sie ihm dann. Daß mein Ahnherr der Freiherr von Münchhausen auf Bodenwerder einmal in seinem Leben die Wahrheit sagte, und niemand ihm glauben wollte, das hat bei dreihundert Menschen das Leben gekostet.« »Wie ?« riefen der Baron und seine Tochter aus einem Munde. »Geschätzte Freunde und liebe Wirte, mäßiget Euer Erstaunen«, versetzte der Gast, indem er, wie ein Kaninchen, die Nasenflügel zitternd bewegte, und mit den doppelfarbigen Augen zwinkerte. »Nichts natürlicher, als das. Hört nur zu. Der besagte Ahnherr war leider Gottes, wie ihr wißt, ein ungemeiner und erschrecklicher Lügensack. Wer erinnert sich nicht der zwölf Enten, die er mit einem Stücke Schinkenspeck fing, nicht seines halbierten Rosses, welches in diesem Zustande der Halbheit dennoch eine Nachkommenschaft zu erzielen vermögend war, nicht des tollgewordnen Jagdpelzes, nicht der im Posthorn eingefrornen Töne, und – und – O! O! O! - - «“ Inschrift Seite: „Cotta / Heinrich / Grabbe / Eckermann / Freiligrath / Weggefährten / Felix Mendelssohn-Bartholdy / Brockhaus / Gutzkow / Fouqué / Tieck / Goethe / Campe / Karl Leberecht Immermann / Schriftsteller / Jurist / Magdeburg 24.4.1796 / Düsseldorf 25.8. 1840 / Stationen / "Münchhausen" 1838/39 / "Der Oberhof" / "Die Epigonen" (1836)“.