Grand Vitrail Cinetic

Grand Vitrail Cinetic

Baukunst Glaskunst

Künstler: Victor Vasarely

Jahr: 1971

Dieses Werk ist vielschichtiger als es auf den ersten Blick scheint – damit es die volle Wirkung entfalten kann, solltest du es dir vor Ort von innen und außen anschauen und dich langsam bewegen. Victor Vasarelys Werk von 1971 ist ein großformatiges Glasfenster an der Südfassade des Hörsaalzentrums Ost (HZO) der Ruhr-Universität Bochum. Es zählt zur Op Art – einer Kunstrichtung der 1960er Jahre, in der optische Täuschungen und visuelle Bewegungseffekte bewusst als künstlerisches Mittel eingesetzt wurden. Die Arbeit besteht aus insgesamt 32 quadratischen Sekurit-Glasplatten, die im Siebdruckverfahren mit verzerrten geometrischen Mustern – Kreisen und Quadraten – in Schwarz-Weiß bedruckt sind. 16 dieser Platten aus Milchglas sind fest in die Fensterfront eingelassen, während weitere 16 transparente Platten im Innenraum in geringem Abstand exakt davor auf Metallschienen angebracht sind. Durch diese doppelte Verglasung entstehen überlagerte Bildstrukturen, die je nach Lichteinfall und Perspektive plastisch wirkende (Halb-)kugeln erzeugen. Im Vorübergehen ergibt sich der Eindruck einer Bewegung oder Rotation, obwohl es sich um statische Elemente handelt. Der französische Titel „Grand Vitrail Cinetic“ bedeutet „großes kinetisches Glasfenster“. Vasarely ordnete dieses Prinzip in seiner Theorie der kinetischen Kunst dem Bereich der „tiefenkinetischen“ Werke zu. Dazu gehören Arbeiten, bei denen die Bewegung nicht durch Motorik oder Mechanik erzeugt wird, sondern allein durch die Aktivität des sehenden Betrachters in Verbindung mit der Bildstruktur entsteht. Die Bewegung wird somit als visuelle Illusion im Auge erzeugt. „Grand Vitrail Cinetic“ knüpft gestalterisch an seine Werkreihe „Blancs et Noirs“ an, in der durch serielle Anordnung und den Verzicht auf Farbe geometrische Kontraste gesteigert wurden. Die Installation ist von innen und außen sichtbar; wenn das Tageslicht durch die Fensterscheiben fällt, ist die kinetische Wirkung besonders von innen zu sehen. Beachte bei deinem Besuch die beschränkten Öffnungszeiten des Hörsaalzentrums.