Ohne Titel (Keramikwand)
Ohne Titel (Keramikwand)
Baukunst MosaikKünstler: Victor Vasarely
Jahr: 1974
Welche Formen kannst du an dieser Wand entdecken und wie viele Möglichkeiten gibt es, neue Formen zu bilden? Die 1974 realisierte, rund 16 Meter breite und über 5 Meter hohe Keramikwand von Victor Vasarely befindet sich am südöstlichen Außenbereich des Hörsaalzentrums Ost der Ruhr-Universität Bochum. Das Werk besteht aus farbig glasierten Keramikplatten in geometrischen Grundformen: Quadraten, gleichschenkligen Dreiecken und Rechtecken. Diese setzen sich in unterschiedlichen Konstellationen zu größeren, einfarbigen Flächen zusammen, die auf parallelogramm- oder würfelartige Körper anspielen. Die farbliche Gestaltung umfasst mehrere Rot-, Blau-, Orange- und Violetttöne sowie Schwarz und Weiß. Die Oberfläche wirkt wie ein sich wiederholendes Raster, das in vier vertikal gestreckte, durch schwarze Rahmen gefasste Bildfelder gegliedert ist. Trotz ihrer flachen Materialität erzeugen die Formen eine überzeugende Illusion von Räumlichkeit. Es entstehen perspektivisch ambivalente Figuren, sogenannte Inversionsfiguren, die vom Auge nicht eindeutig zugeordnet werden können. Je nach Blickrichtung erscheinen dieselben Flächen entweder als Ober- oder Unterseite eines Quaders. Diese optische Mehrdeutigkeit ist ein zentrales Merkmal der Op-Art, einer Kunstrichtung, die visuelle Wahrnehmung aktiv irritiert und dabei mit Täuschungen, Bewegungseffekten und räumlicher Ambivalenz arbeitet. Vasarelys Wandbild erzeugt eine solche Dynamik ohne technische Bewegung: Allein durch das Sehen wechseln die Bildelemente ihre Bedeutung.
