Kunst am Bau – Fakten und Beispiele
17.10.2025

Hinter „Kunst am Bau“ steckt die Idee, Kunstwerke in direkter Beziehung zu Architektur und Baukontext zu schaffen, also nicht als Dekoration, sondern als integralen Teil des Bauwerks. Der Begriff bezeichnet künstlerische Gestaltungen, die im Zusammenhang mit einem Bauprojekt entstehen. Seit den 1950er Jahren gilt in Deutschland die sogenannte Kunst-am-Bau-Richtlinie: Ein bestimmter Prozentsatz der Bausumme öffentlicher Gebäude (meist 1 bis 2 %) wird für künstlerische Arbeiten reserviert. Ziel ist es, Kunst für alle Menschen im Alltag sichtbar und erlebbar zu machen und zum Beispiel in Schulen, Universitäten, Rathäusern oder Krankenhäusern zu zeigen. Dabei kann es sich um Skulpturen, Wandgestaltungen, Reliefs, Lichtinstallationen oder Medienkunst handeln. Entscheidend ist, dass das Kunstwerk einen Dialog mit der Architektur eingeht und auf den Ort reagiert, an dem es entsteht.

Abgrenzung: Kunst am Bau, Baukunst und Architektur

Baukunst ist die künstlerische Dimension der Architektur, also dann gegeben, wenn ein Bauwerk über seine reine Funktion hinaus ästhetisch, symbolisch oder kulturell wirkt (etwa das Bauhaus oder die Kathedrale von Chartres).

Architektur bezeichnet den Bau selbst, also die Planung und Gestaltung von Gebäuden in ihrer Funktion, Form und Konstruktion.

Kunst am Bau dagegen ergänzt oder kommentiert die Architektur. Sie steht nicht für sich allein, sondern ist bewusst auf den Bau bezogen.

Die Idee geht auf die Weimarer Republik zurück: Schon damals sollte der Staat durch Aufträge an bildende Künstler deren Arbeit fördern und zugleich öffentliche Bauwerke kulturell bereichern. In der Bundesrepublik und in der DDR wurde das Prinzip fortgeführt – in Westdeutschland als Teil der demokratischen Kulturförderung, im Osten als Ausdruck sozialistischer Identität. Bis heute prägt diese Praxis zahlreiche Schulen, Universitäten, Gerichtsgebäude und Ministerien in ganz Deutschland.

Kunst am Bau ist dabei immer ortsgebunden: Sie kann fest mit der Architektur verbunden (zum Beispiel an der Fassade oder im Foyer) oder im Außenraum des Gebäudes platziert sein. Die Grenzen zur Kunst im öffentlichen Raum sind fließend, da beide Formen im Alltag sichtbar und frei zugänglich sind. Heute umfasst Kunst am Bau ein breites Spektrum von Skulpturen und Wandreliefs über Mosaike, Murals, Licht- und Klangkunst bis hin zu Medien- und Installationskunst. Ziel ist es, ästhetische und gesellschaftliche Akzente zu setzen und die gebaute Umwelt künstlerisch zu bereichern.


Kunst am Bau am Beispiel der Ruhr-Universität Bochum

Die Ruhr-Universität Bochum als öffentlicher Bau der 1960er Jahre beherbegt viele Werke, die zu Kunst am Bau zählen. Ihre markante Brutalismus-Architektur mit Sichtbeton prägte den Hochschulbau der Nachkriegsmoderne und wurde gezielt mit künstlerischen Akzenten ergänzt. Ein bekanntes Werk ist das Buntglasfenster von Victor Vasarely. Kunst wird nicht als Dekoration verstanden, sondern als Teil der Universität. So ist das Relief von Henryk Dywan nicht nur eine künstlerische Gestaltung, sondern verkündet auch den Namen der Uni für alle, die von der Unibrücke Richtung Campus laufen.

Was hältst du von Kunst am Bau?

Fallen dir gelungene Beispiele der Integration von Kunst in Architektur ein? Wusstest du, dass etwa 1% von öffentlichen Bauvorhaben für künstlerische Gestaltung eingeplant werden muss? Schreib deine Meinung gerne unten in die Kommentare!

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