Vor zwei Jahren machte ich einen Tagesausflug nach Segovia, ohne zu wissen, dass ich an dem Tag dem Teufel begegnen würde. Nur etwa eine Stunde von Madrid entfernt liegt Segovia in der Region Kastilien und León. Dort befindet sich auch das Aquädukt von Segovia, welches zu den bekanntesten Bauwerken Spaniens zählt und eines der am besten erhaltenen römischen Monumente der Iberischen Halbinsel ist. Es prägt das Stadtbild von Segovia. Der Bau entstand vermutlich im 1. oder frühen 2. Jahrhundert n. Chr. unter römischer Herrschaft und diente der Wasserversorgung der Stadt. Das 16 Kilometer lange Bauwerk besteht aus über 160 Bögen und erreicht an seiner höchsten Stelle rund 30 Meter. Die Konstruktion aus exakt behauenen Granitquadern, die ohne Mörtel gefügt wurden, gilt als Meisterleistung antiker Ingenieurskunst und wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.
Die Legende vom Pakt mit dem Teufel
Neben seiner historischen Bedeutung ist das Aquädukt von einer volkstümlichen Legende umgeben. Ihr zufolge musste einst ein Mädchen täglich große Mühen auf sich nehmen, um Wasser aus einer weit entfernten Quelle zu holen. In einem Moment der Verzweiflung soll sie ausgerufen haben, sie würde ihre Seele dem Teufel überlassen, wenn dieser ihr das Wasser direkt bis vor die Haustür brächte. Der Teufel nahm das Angebot an und versprach, das Aquädukt in einer einzigen Nacht zu errichten. Doch als der Morgen dämmerte, fehlte ihm noch ein Stein. Durch das früh einsetzende Sonnenlicht blieb der Pakt unvollendet, und die Seele des Mädchens war gerettet. Zurück blieb das gewaltige Bauwerk, das bis heute als „Werk des Teufels“ bezeichnet wird.[1]
Die Teufelsskulptur in Segovia
Die Legende inspirierte den spanischen Künstler José Antonio Abella zu einer zeitgenössischen Bronzeskulptur, die den Teufel in ungewohnter Pose zeigt: lächelnd, sympathisch und mit einem Smartphone in der Hand bereit für ein Selfie mit seinem Werk. Die Figur wurde inzwischen an der Calle San Juan, einer steilen Straße unweit des Monuments, installiert und zieht zahlreiche Besucherinnen und Besucher an, die dort tatsächlich ein Selfie mit der Teufelsfigur machen.
Der Künstler José Antonio Abella (*1951) ist ein spanischer Bildhauer, Schriftsteller und Arzt. Nach fast vier Jahrzehnten als Mediziner widmet er sich seit einigen Jahren verstärkt der Kunst und Literatur. Seine plastischen Werke stellen häufig organische Formen und menschliche Figuren dar, beeinflusst unter anderem von Henry Moore. Abella lebt in Segovia und gilt als engagierte Persönlichkeit der lokalen Kulturszene.


Kontroverse um das Lächeln
Die Aufstellung der Teufelsskulptur in Segovia führte zu einer kontroversen öffentlichen Debatte. Während die Stadtverwaltung das Werk als humorvollen Verweis auf die lokale Legende verstand, sahen viele gläubige Katholikinnen und Katholiken darin eine Provokation. Eine Petition mit rund 5.500 Unterschriften bezeichnete die Skulptur als „beleidigend für den katholischen Glauben“ und kritisierte, dass der Teufel zu freundlich und sympathisch dargestellt werde. In der Kunst, so die Argumentation der Gegner, müsse der Teufel „abstoßend und verachtenswert, nicht freundlich und verführerisch“ erscheinen. Demgegenüber unterstützten mehr als 2.000 Unterzeichnerinnen und Unterzeichner die Installation als harmlose Anspielung auf eine lokale Legende, die keinen religiösen Charakter habe. Künstler José Antonio Abella betonte, er habe die Figur bewusst freundlich und humorvoll gestaltet, um Passanten zum Lächeln anzuregen. Die Klage gegen die Aufstellung wurde schließlich abgewiesen, und die Skulptur wurde nahe des Aquädukts installiert.[2]
Wie findest du diesen freundlichen Teufel? Würdest du ein Selfie mit ihm machen? Schreib es in die Kommentare 🙂
[1] Vgl. Judith Torquemada, Fascinating Spain 2025, https://www.fascinatingspain.com/articulo/what-to-see-in-castile-and-leon/devils-work-legend-aqueduct-segovia/20240708172806067500.html, abgerufen am 26.10.2025.
[2] Vgl. Francesca Street, CNN 2019, https://edition.cnn.com/travel/article/friendly-satan-statue-segovia-spain, abgerufen am 26.10.2025.
