Warum wird diese Löwen-Skulptur immer wieder mit Graffiti besprüht?
17.03.2025

Das Löwendenkmal im Dortmunder Westpark, auch bekannt als „Liegender Löwe“, ist das älteste öffentliche Kunstwerk der Stadt. Die Skulptur wurde 1869 von Melchior Anton zur Strassen geschaffen und erinnert an zehn Dortmunder Soldaten, die im Deutschen Krieg von 1866, insbesondere in der Schlacht bei Königgrätz, gefallen sind. In den letzten Jahren wurde das Denkmal im Westpark wiederholt Ziel politisch motivierter Graffiti-Bemalung, was erhebliche Reinigungskosten verursachte. Der Rat der Stadt Dortmund hat im Mai 2024 beschlossen, das Denkmal in den Zoo zu verlegen, um es vor weiteren Beschädigungen zu schützen und seine historische Bedeutung zu bewahren.

Symbolische Bedeutung

Das Denkmal wurde 1869 geschaffen – eine Zeit, in der Nationalismus in Deutschland immer mehr an Bedeutung gewann. Der Deutsch-Deutsche Krieg, eine Auseinandersetzung zwischen Preußen und Österreich, führte zur Vormachtstellung Preußens und war ein entscheidender Schritt zur Gründung des Deutschen Kaiserreichs. Solche Denkmäler waren nicht nur Trauerorte, sondern dienten oft dazu, Kriege als notwendig, ehrenhaft und patriotisch zu verklären. Der Löwe, ein klassisches Symbol für Stärke und Tapferkeit, verstärkt diese Deutung. Gedenkorte für gefallene Soldaten werfen immer die Frage auf, wer erinnert wird und wer nicht. Kriegerdenkmäler betonen häufig die Opfer der eigenen Nation, während zivile Kriegsopfer und solche der Gegenseite unsichtbar bleiben.

Verlagerung von Denkmälern – ein sinnvoller Umgang?

Immer wieder wird diskutiert, problematische Denkmäler an geschützte Orte wie Museen oder Gedenkstätten zu verlagern. Gegner*innen dieser Idee argumentieren, dass das Entfernen oder Versetzen einer historischen Skulptur einer Geschichtsverdrängung gleichkäme. Befürworter*innen hingegen sehen darin eine Chance, Denkmäler in einen Kontext zu setzen, der kritische Reflexion ermöglicht, statt unreflektiert heroische Narrative zu reproduzieren. Der geplante Umzug des Löwendenkmals in den Zoo könnte als Versuch gewertet werden, es dem unmittelbaren öffentlichen Diskurs zu entziehen.

Erinnerungskultur überdenken

Das Dortmunder Löwendenkmal steht exemplarisch für die Fragen, die wir uns heute in der Erinnerungskultur stellen müssen: Welche Narrative transportieren Denkmäler? Fördern sie ein unkritisches, nationalistisches Geschichtsbild? Und wie können wir Gedenkkultur so gestalten, dass sie sich nicht in Heldenverehrung erschöpft, sondern eine reflektierte, inklusive und zukunftsorientierte Erinnerung ermöglicht? Statt unkritischer Traditionspflege braucht es Orte der Auseinandersetzung, die alle Opferperspektiven sichtbar machen und militärische Gewalt nicht glorifizieren.

Weitere Infos: dortmund.de

Löwendenkmal
Löwendenkmal

Melchior Anton zur Strassen

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