Niki de Saint Phalle
Bildhauerin und Malerin aus Neuilly-sur-Seine bei Paris in Frankreich; eigentlich hieß sie Catherine Marie-Agnès Fal de Saint Phalle; einer breiten Öffentlichkeit wurde sie als Künstlerin vor allem durch ihre „Nana“-Figuren bekannt, die ab 1965 entstanden; ihre Schenkung von Werken ihres Ehemannes Jean Tinguely ermöglichte nach seinem Tod den Bau des Museums Tinguely in Basel. Sie sagte: "Ich war eine zornige junge Frau, doch gibt es ja viele zornige junge Männer und Frauen, die trotzdem keine Künstler werden. Ich wurde Künstler, weil es für mich keine Alternative gab – infolgedessen brauchte ich auch keine Entscheidung zu treffen. Es war mein Schicksal. Zu anderen Zeiten wäre ich für immer in eine Irrenanstalt eingesperrt worden – so aber befand ich mich nur kurze Zeit unter strenger psychiatrischer Aufsicht, mit zehn Elektroschocks usw. Ich umarmte die Kunst als Erlösung und Notwendigkeit.“ 1953 entstanden ihre ersten Gemälde. Dies war auch das Jahr, in welchem ihr Ehemann ihre selbstzerstörerischen Absichten bemerkte und sie in eine Klinik nach Nizza kam. Dort kam sie zur Kunst. Zunächst arbeitete sie als Aktionskünstlerin und machte ab 1956 mit ihren „Schießbildern“ auf sich aufmerksam. Dies waren Gipsreliefs mit eingearbeiteten Farbbeuteln, auf die sie während der Vernissage schoss. Nach ihrer Scheidung von Mathews wollte sie als freie unabhängige Künstlerin erblühen.Die zwei Geburten ihrer Kinder waren traumatische Ereignisse, welche sie in Werken wie die „Crucifixion“ verarbeitete. Dieses Assemblage-Relif steht heute im Centre Pompidou. Auch in späteren Werken sind Motive von Gewalt, Schmerz und Waffen deutlich sichtbar. Es ist ihr eine Hilfe vergangene Erfahrungen zu verarbeiten, auf der anderen Seite stellt sie gleichzeitig allgemeine Probleme der Gesellschaft dar. Ihre Bilder und Werke sind nicht privat, sie sind öffentlich zugänglich und sollen Aufmerksamkeit erregen. Durch ihre künstlerische Arbeit trug sie schwere Gesundheitsschäden der Atemwege davon. Ihre Grunderkrankung war aber selektiver Immunglobulin-A-Mangel. Ihre chronische Bronchitis, die extrem schmerzhafte rheumatische Arthritis, ihre Schilddrüsenerkrankung, das Asthma und die Lungenentzündungen sind durch den starken Immunglobulinmangel zu erklären. Atemnot und wiederholte Lungenentzündungen traten schon lange vor ihrer Arbeit mit Kunststoffen auf. Später verstärkten die giftigen Kunststoffdämpfe, das Einatmen von Pigmenten und das Passivrauchen wahrscheinlich das Lungenleiden. In ihrem letzten Lebensjahrzehnt war der Immunglobulin-Mangel bei ihr plötzlich nicht mehr nachweisbar. Künstlerische Entwicklung Im Juni 1961 nahmen Saint Phalle und Tinguely zusammen mit Jasper Johns und Robert Rauschenberg an einem Happening und Konzert mit dem Titel Variations II teil, das von dem amerikanischen Komponisten John Cage orchestriert und in der amerikanischen Botschaft in Paris durchgeführt wurde. Während David Tudor die Kompositionen von Cage am Klavier spielte, schufen die Künstler ihre Kunstwerke während der Kunst-Aktion vor Publikum auf der Bühne. Ab 1962 wurde sie von Alexander Iolas finanziell unterstützt, er organisierte ihr Ausstellungen und führte sie in den Kreis prominenter Künstler ein. 1962 nahm sie gemeinsam mit Jean Tinguely an der Ausstellung Dylaby in Amsterdam teil. Ab 1965 entstanden die ersten „Nanas“ – Frauenfiguren mit betont üppigen und runden Formen –, anfangs noch aus Draht und Textilien gefertigt. Schon bald wechselte sie ihre Technik und arbeitete vorwiegend mit Polyester, einem Material, das unter anderem bevorzugt im Bootsbau verwendet wird. 1965 entstand für die Peter-Stuyvesant-Zigarettenfabrik in Zevenaar die 2 Meter hohe Lili ou Tony. 1966 installierte sie auf Veranlassung des Direktors Pontus Hultén (unter Mitarbeit ihres späteren zweiten Ehemanns Jean Tinguely, den sie 1955 kennengelernt hatte) und des Schweden Per Olof Ultvedt im Stockholmer Moderna Museet eine 29 Meter lange liegende Skulptur mit dem Namen Hon (schwedisch: „sie“), die durch die Vagina betreten werden konnte und in deren Innerem sich unter anderem eine Bar und ein Kino befanden. Die Nanas wurden mit bunten Farben bemalt. 1968 nahm Niki de Saint Phalle erstmals an einer Ausstellung des Museum of Modern Art in New York teil. Weitere Ausstellungen folgten 1969 in München und in Hannover sowie 1970 in Paris, 1971 in Amsterdam, Stockholm, Rom und New York. 1979 begann sie in der Toskana in Capalbio, südlich von Grosseto, mit dem Bau des Giardino dei Tarocchi. Dieser Garten des Tarot wurde 1998 für die Öffentlichkeit freigegeben mit 22 Tarot-Figuren teilweise auch als Gebäude realisiert. Die Künstlerin hat einige Jahre auch darin gewohnt und dazu Innenausstattungen gestaltet. Noch bekannter ist der 1982 begonnene Bau des Strawinski-Brunnens vor dem Centre Pompidou in Paris, der von ihr zusammen mit Jean Tinguely gestaltet wurde. → Hauptartikel: Strawinski-Brunnen Niki de Saint Phalle gehörte zu den Gründungsausstellerinnen der Bundeskunsthalle in Bonn. Von Juni bis November 1992 stellte sie unter anderem auf deren Dachgarten über 20 zum Teil begehbare Großplastiken aus. 1999 übernahm Niki de Saint Phalle den Auftrag zur Ausgestaltung der Grotten im Großen Garten in Hannover-Herrenhausen, die seit 2003 für Besucher offen stehen. Ihr Werk L’ange protecteur („Schutzengel“, schwebende Frauenfigur) befindet sich in der Halle des Zürcher Hauptbahnhofes. Seit 2008 ist sie mit einigen Werken im museum FLUXUS+ in Potsdam vertreten. Ihr siegreicher Entwurf für die Neugestaltung des Hamburger Spielbudenplatzes konnte wegen ihres Todes nicht mehr verwirklicht werden. Im Jahr 2000 wurde sie mit dem japanischen Praemium Imperiale ausgezeichnet. Am 17. November 2000 wurde sie zur Ehrenbürgerin der Stadt Hannover ernannt. Sie vermachte am 19. November 2000 aus diesem Anlass über 400 ihrer Werke dem Sprengel-Museum in Hannover. Der vorgesehene Ergänzungsbau des Museums soll eine Dauerausstellung ihrer Werke ermöglichen. Die Betriebskindertagesstätte des Universitätsklinikums Münster trägt zu Ehren der Künstlerin seit dem Jahr 2000 ihren Namen. Im Jahr 2002 wurde die Einkaufspassage Passerelle in der Innenstadt von Hannover in Niki-de-Saint-Phalle-Promenade umbenannt.
