Nanas
Künstler: Niki de Saint Phalle
Jahr: 1974
Würdest du dich trauen, auf dem Kopf zu stehen, während halb Hannover gegen dich protestiert? Caroline macht das seit 1974. Die drei Nanas von Niki de Saint Phalle stehen am Leibnizufer direkt an der Leine. Die übergroßen, bunten Figuren aus bemaltem Polyester heißen Sophie, Caroline und Charlotte. Benannt sind sie nach drei Frauen, die mit Hannover verbunden sind: nach Kurfürstin Sophie, nach der Astronomin Caroline Herschel und nach Charlotte Buff, in die sich der junge Goethe verliebte. Sophie tanzt mit erhobenen Armen auf einem Bein, Caroline steht kopf, und Charlotte zeigt selbstbewusst ihre Rundungen. „Nana“ ist ein französisches Umgangswort für eine Frau. Niki de Saint Phalle meinte damit moderne, selbstbewusste Frauen und verstand ihre Figuren als Beitrag zur Frauenbewegung. Ihr Motto lautete „Alle Macht den Nanas!“. Die Nanas waren Höhepunkt und Abschluss des hannoverschen „Straßenkunstexperiments“. 1970 hatte der Rat auf Anregung von Oberstadtdirektor Martin Neuffer beschlossen, moderne Kunst in die Straßen zu holen. Hannover war damit die erste westdeutsche Stadt, die Straßenkunst zum kommunalpolitischen Programm machte. Bis 1975 entstanden 27 Werke für knapp zwei Millionen D-Mark. Als die Nanas Anfang 1974 aufgestellt wurden, war die Empörung groß. Manche fanden die üppigen Körper anstößig, andere fürchteten, sie würden Autofahrer ablenken. Die Figuren wurden beschmiert, und eine Bürgerinitiative sammelte unter dem Motto „Weg mit den Nanas“ fast 20.000 Unterschriften. Heute sind die Nanas der Auftakt der Skulpturenmeile, die bis zum Königsworther Platz reicht.
