Streckung/Querbruch
Künstler: Ansgar Nierhoff
Jahr: 1985
Eine schmale, fast zeichnerische Linie aus Stahl erhebt sich über sechs Meter hoch in den Himmel. Ansgar Nierhoffs Skulptur von 1985 hat eine Höhe von 660 cm und etwa 25 cm im Durchmesser, mit einem Gewicht von 3,6 Tonnen. Auf einem mehrfach abgestuften Sockel stehend, schießt die lange, dunkle Stele empor, bis sie in einer rauen, offenen Abbruchkante endet. Diese „Querbruch“-Form erinnert an antike Säulen, deren Fragmente wir heute als Träger vergangener Bauwerke sehen. Doch hier steht die Skulptur neben dem Gebäude der Künstlerzeche, ohne selbst etwas zu tragen oder zu stabilisieren. Das Kunstwerk selbst ist das Zeichen, reduziert auf eine einfache, minimalistische Geste der Vertikalität. Ansgar Nierhoff entwickelte seit den 1970er Jahren eine unverwechselbare Bildsprache, die das Schmieden als bildhauerischen Prozess sichtbar macht. Unter einer großen Presse ließ er Stahlblöcke bearbeiten. Die zahlreichen Schläge, Drehungen und Verschiebungen sind dem Material noch anzusehen. So wird die Spur des Arbeitsvorgangs auf der Oberfläche eingeschrieben. Seine Werke verkörpern die Idee des Potentials, dass eine Form immer auch als Möglichkeit einer anderen Form gedacht werden kann. Im Kontext der Künstlerzeche Unser Fritz tritt die „Streckung“ als strenges, ruhiges Gegenzeichen zur historischen Zechenarchitektur auf. Wie ein Maßstab behauptet sich die schlanke Stele gegen das massive Industriegebäude und zugleich gegen die wachsende Natur, die ihre Wahrnehmung über die Jahrzehnte verändert hat. Seine hoch aufgerichtete Linie steht als stiller Marker im öffentlichen Raum, ein Zeichen für Vergänglichkeit und Dauer zugleich.
