Ohne Titel (Rechts/Links)

Lichtkunst

Künstler: Ferdinand Kriwet

Jahr: 1971

Kannst du erkennen was hier geschrieben ist? Dieses Kunstwerk verlangt höchste Aufmerksamkeit und genaue Beobachtung von uns, denn Aussage und Form der Wörter passen mitunter nicht zusammen. Das Kunstwerk „Ohne Titel (RECHTS/LINKS)“ von Ferdinand Kriwet aus dem Jahr 1971 ist eine zweiteilige Lichtinstallation, die im Foyer der Mensa auf Ebene 01 neben der zentralen Kaffeebar platziert ist. Es besteht aus zwei 4,20 x 6,90 x 0,40 m Wandreliefs, die jeweils rechts und links positioniert sind. Die Basis bilden Messingplatten, auf denen spiegelnde, chromglänzende Flächen angebracht sind. Darauf folgen drei übereinander liegende Ebenen mit unterschiedlichen Schriftzügen, die aus blauen und roten Leuchtstoffröhren sowie farblosem Plexiglas gefertigt sind. Auf der untersten Ebene sind die Worte „UNITE“ (vereinen) und „DIVIDE“ (trennen) zu sehen, die sich optisch durchdringen und durch die Spiegelung kaum auseinanderzuhalten sind. Darüber leuchten in Neonröhren die Wörter „RECHTS“ und „LINKS“, jeweils in Leserichtung und gespiegelt, so dass die Bedeutung der Wörter auf der „falschen“ Seite erscheint – „RECHTS“ steht links und „LINKS“ rechts. Die oberste Ebene besteht aus transparentem Plexiglas mit den Worten „BLACK“ (schwarz) und „WHITE“ (weiß), deren Durchsichtigkeit den eigentlichen Wortsinne konterkariert, da sie kaum wahrnehmbar sind. Diese mehrschichtige Anordnung erzeugt eine Raumwirkung, die durch Spiegelungen, Farbkodierungen und typografische Irritationen die Wahrnehmung herausfordert und reflektiert. Das Zusammenspiel von Form, Farbe und Material verweist auf die Komplexität von Sprache und Wahrnehmung, insbesondere auf den Gegensatz zwischen Signifikant (das Zeichen) und Signifikat (die Bedeutung). Das Werk ist Teil von Kriwets Konzept der „Sehtexte“, bei denen Schrift als visuelles Zeichensystem dekonstruiert und seine Rezeption hinterfragt wird. Das ursprünglich vorhandene, heute fehlende vierstufige Schaltwerk ermöglichte eine dynamische Steuerung der Sichtbarkeit der Worte, wodurch das Werk zusätzlich temporal verändert werden konnte. Insgesamt lädt das Kunstwerk zu einer bewussten Auseinandersetzung mit Sprache, Wahrnehmung und deren Mehrdeutigkeit ein. Bitte beachte bei deinem Besuch die beschränkten Öffnungszeiten des Mensagebäudes.