Bellona
Künstler: Georg Kolbe
Jahr: 1914-1917
Welche Geschichten erzählt ein Kriegsdenkmal und was verschweigt es? „Bellona“ ist eine Bronzekopie der römischen Kriegsgöttin, die einem knieenden Krieger ein Schwert reicht. Festgehalten wird ein Gegenspiel von Verletzlichkeit und heroischer Pose. Kolbe arbeitete zwischen 1914 und 1917 an der Plastik; gegossen und aufgestellt wurde sie erst 1922 als Mittelpunkt eines reich gestalteten Brunnens vor dem damaligen Hauptbahnhof Elberfeld. Finanziert von Bürger‑Spenden, städtischen Mitteln und einem Landeskunstfonds wurde der „Elberfelder Brunnen“ als Ausdruck von Wehrhaftigkeit aufgestellt – trotz Rohstoffmangel, Inflation und explodierender Kosten von zuletzt rund 47.000 Mark. Nach der Zerstörung der Bahnhofsumgebung im Zweiten Weltkrieg wurde die Skulptur 1949 in den Kasinogarten neben die heutige Stadtbibliothek versetzt. Die steinerne Brunnenschale wich später einem strengen, kubischen Sockel, der die Figuren heute wie ein Denkmal wirken lässt. Heute wird diese pathetische Geste der Schwertübergabe und Kriegsverherrlichung kritisch betrachtet.
