Hirtenjunge

Skulptur

Künstler: Kurt Lehmann

Jahr: 1958

Die Bronzeskulptur "Hirtenjunge" von Kurt Lehmann, entstanden 1958, ist eine lebensgroße Darstellung eines Knaben und befindet sich im Westfalenpark in Dortmunds Innenstadt-Ost. Mit einer Höhe von 1,71 m thront die Figur auf einem Ruhrsandsteinsockel mit quadratischer Sandsteinplatte und präsentiert sich nur mit einem bis zu den Knöcheln reichenden Lendentuch bekleidet. Die schmale Silhouette des Jungen zeichnet sich durch überlängte Proportionen aus, während die Arme entspannt hinter dem Kopf verschränkt sind. Lehmanns charakteristische Gestaltung zeigt einen kugeligen Kopf mit kindlichen Zügen: kleine Nase, kleiner Mund sowie Pausbacken und runde Augen. Der Körper und das Lendentuch sind in einer leicht abstrahierten Form gehalten; klare Linien suggerieren eine streng vereinfachte Darstellung. Diese Art der Abstraktion betont den schlanken Körperbau des Jungen noch stärker. Stilistisch lässt sich eine Nähe zu Hermann Blumenthal erkennen, was nicht zuletzt auf die Freundschaft zwischen beiden Künstlern zurückzuführen sein mag. Auch Lehmanns Werk "Ausschauende" aus dem Jahr 1950 weist ähnliche Haltungen auf wie der "Hirtenjunge". Obwohl das Motiv des idyllischen Landlebens angeschnitten wird, bleibt es in dieser Skulptur eher subtil. Pastorale Szenen haben ihre Wurzeln bereits in der Antike und erlebten vor allem in Musik und Malerei während der Renaissance sowie im Barock- und Rokokozeitalter ihren Höhepunkt. Kurt Lehmann selbst war bekannt für seine Aktdarstellungen sowie Porträts im Spektrum von naturalistischer bis hin zu abstrakter Ausführung. Seine Werke umspannen mythologische und biblische Themen ebenso wie Mutter-Kind-Darstellungen oder Porträts. Seit der Eröffnung des Westfalenparks zur Bundesgartenschau 1959 hat diese Skulptur ihren festen Platz unter freiem Himmel gefunden – ein Zeugnis moderner Interpretation traditioneller Thematiken durch Kurt Lehmanns Hand.