UNIVERSITÄTSBIBLIOTHEKBOCHUM

UNIVERSITÄTSBIBLIOTHEKBOCHUM

Lichtkunst Kunst am Bau

Künstler: Mischa Kuball

Jahr: 2005

Warum ist dieser Schriftzug verkehrtherum angebracht? Die Lichtinstallation UNIVERSITÄTSBIBLIOTHEKBOCHUM von Mischa Kuball aus dem Jahr 2005 befindet sich an der Nordfassade der Universitätsbibliothek der Ruhr-Universität Bochum. Sie besteht aus 28 Leuchtbuchstaben aus weißen Neonröhren in der sachlichen Schriftart „Futura Light“. Die Buchstaben sind gleichmäßig auf einem 65 Meter langen Betonplattenband montiert. Auffällig ist ihre spiegelverkehrte Anordnung: Der Schriftzug ist nur korrekt lesbar, wenn man ihn – imaginär – von der gegenüberliegenden Südseite her betrachtet. Diese ungewöhnliche Präsentation verweist auf die ursprüngliche architektonische Planung, in der der Haupteingang der Bibliothek an der Südseite vorgesehen war. Durch die später geänderte Nutzung erscheint der heutige Eingang „seitenverkehrt“ – ein Umstand, den Kuball visuell reflektiert. Die schlichte, lineare Typografie wirkt nüchtern und zugleich präzise. Der Einsatz von Licht als Material erzeugt jedoch eine gewisse Lebendigkeit: Mittels computergesteuerter Zufallsprogrammierung (DMX) leuchten einzelne oder mehrere Buchstaben unregelmäßig auf. Dieses rhythmische Aufblitzen verleiht dem Schriftzug eine eigene visuelle Dynamik, die sich von der massiven Betonarchitektur abhebt, ohne sie zu überlagern. Gleichzeitig verliert der Schriftzug bei Dunkelheit seine bloße Funktion als Beschriftung und wird zum autonomen Lichtbild – flüchtig, abstrakt, hinterfragbar. Kuball verbindet hier medienreflexive Kunst mit ortsspezifischer Intervention: Die spiegelverkehrte Lesbarkeit fordert den Betrachter zur aktiven Entschlüsselung auf und verweist zugleich auf die historischen und funktionalen Gegebenheiten des Gebäudes.