Was ist Lichtkunst überhaupt?
Unter Lichtkunst versteht man eine eigenständige Kunstgattung, die Licht – meist künstliches Licht – nicht nur zur Beleuchtung, sondern als zentrales künstlerisches Medium einsetzt. Im Unterschied zu herkömmlicher Beleuchtung oder Lichtdesign geht es bei Lichtkunst nicht primär darum, etwas sichtbar zu machen (z. B. eine Straße auszuleuchten), sondern gezielt ästhetische, emotionale oder konzeptuelle Erfahrungen zu schaffen.
Typische Merkmale von Lichtkunst:
- Licht ist das Hauptmedium oder eines der wichtigsten Gestaltungsmittel.
- Es geht um ästhetische Wirkung, nicht um reine Funktion (z. B. Wegbeleuchtung).
- Häufig wird der Raum selbst zur Bühne: Architektur, Natur oder Innenräume werden aktiv mitgestaltet.
- Viele Werke sind zeitbasiert (verändern sich im Ablauf) oder interaktiv (reagieren auf Besucher:innen).
Lichtkunst ist in den übergeordneten Kategorien Skulptur und Installation angesiedelt: Viele Werke sind begehbare Installationen, andere eher skulptural, wieder andere nutzen Video- und Projection-Mapping-Techniken auf Gebäudefassaden.

Was zählt zur Lichtkunst?
Nicht jede bunte Beleuchtung ist automatisch Lichtkunst. Entscheidend ist die künstlerische Intention und der Bruch mit rein funktionalem oder kommerziellem Zweck.
Zur Lichtkunst zählen häufig:
- Lichtinstallationen in Innen- und Außenräumen
- Lichtskulpturen aus Neon, LED, Glas, Spiegeln oder Projektion
- Projection Mapping / Video Mapping auf Gebäude, Objekte und Landschaften
- Interaktive Lichtkunst, die auf Bewegung, Geräusche oder Berührung reagiert
- Architektonische Lichtkunst, bei der Gebäude dauerhaft künstlerisch illuminiert werden
- Lichtkunst im öffentlichen Raum und temporäre Lichtfestivals
Nicht zur Lichtkunst gehören in der Regel:
- Standard-Straßenbeleuchtung
- Beleuchtung rein funktionaler Art (Büro, Parkhaus etc.)
- Konventionelle Leuchtreklame, die nur gestalterisches Design nutzt, ohne künstlerisches Konzept


Wie funktioniert Lichtkunst technisch?
Wir unterschieden zwischen: LEDs, Neon- und Leuchtstoffröhren, Laser und sonstigen Lichtquellen wie Projektoren oder OLED-Panels.
Was ist eine LED?
LED steht für Light Emitting Diode (Licht emittierende Diode). Es ist ein Halbleiter-Bauelement, das Strom direkt in Licht umwandelt. Elektronen fallen dabei von einem höheren auf ein niedrigeres Energieniveau. Die frei werdende Energie wird als Lichtquant (Photon) abgegeben. Je nach Materialmischung leuchtet die LED in einer bestimmten Farbe (z. B. rot, grün, blau, weiß). LEDs sind ideal für Lichtkunst, da sie energieeffizient, langlebig, farbflexibel und dimmbar sind.
Wie funktionieren Neonröhren (Gasentladungslampen)?
Eine Glasröhre ist mit einem Edelgas (z. B. Neon, Argon) gefüllt. An den Enden sitzen Elektroden. Legt man eine Spannung an, entsteht ein elektrischer Strom durch das Gas – das Gas wird ionisiert. Die Gasatome senden durch diesen Prozess Licht einer bestimmten Farbe aus (Neon = typisches Rot-Orange, andere Gase/Mischungen = andere Farben; auch durch farbige Beschichtungen an den Röhren können andere Farben entstehen). Seit den 1960ern werden diese Gasröhren als ikonisches Medium der Minimal- und Konzeptkunst eingesetzt (z. B. Dan Flavin). Es entstehen klare Linien, geometrische Formen und ein „kaltes“ technisches Licht. Teilweise erzeugen die Röhren auch ein leichtes Flackern und Summen, was in manchen Werken künstlerisch genutzt wird.
Was ist ein Laser?
Laser steht für „Light Amplification by Stimulated Emission of Radiation“. Er erzeugt sehr gebündeltes, stark gerichtetes Licht mit einer klaren Wellenlänge (Farbe). In einem Lasermedium (Kristall, Gas, Diode etc.) werden Atome/Elektronen angeregt. Durch stimulierte Emission geben sie im Gleichtakt Licht ab. Spiegel im Resonator verstärken das Licht und lenken es zu einem Strahl. Das Ergebnis ist ein sehr intensiver, scharf gebündelter Strahl. In der Lichtkunst werden diese Strahlen genutzt, die als „Lichtlinien“ Räume durchziehen oder sich fächerförmig ausbreiten. Skulpturen aus Licht können zum Beispiel durch Nebel hervorgehoben werden (Luft wird zur „Leinwand“, weil der Nebel das Laserlicht sichtbar macht). Wegen der hohen Intensität gibt es allerdings strenge Sicherheitsauflagen, wie Augenschutz und die Begrenzung von Strahlwegen, um niemanden zu gefährden.
Viele Lichtkunstwerke entfalten ihre volle Wirkung nur bei Dunkelheit oder in stark abgedunkelten Räumen, weil dort alle konkurrierenden Lichtquellen minimiert sind. Also starte deinen Rundgang zur Lichtkunst am besten abends!



Seit vielen Jahren beliebt: Light Projection Mapping
Projection Mapping (oft auch 3D-Projection-Mapping oder Video Mapping genannt) ist eine Form der Lichtkunst, bei der bewegte Bilder und Animationen exakt auf die Geometrie eines Objekts – meist eine Fassade – „gemappt“ werden.
- Gebäude oder Objekt wird digital erfasst (Fotos, 3D-Scan, Punktwolke).
- Die Fassade dient als virtuelle Leinwand, auf der 2D- oder 3D-Animationen entworfen werden.
- Hochleistungsprojektoren projizieren die Inhalte passgenau auf das reale Bauwerk.
- Durch präzise Ausrichtung und Korrektur entsteht der Eindruck, das Gebäude verforme sich, breche auf oder bewege sich.
Projection Mapping ermöglicht Effekte, die weit über normale Fassadenprojektionen hinausgehen: Mauern scheinen zu zerbröseln, Fenster schweben, ganze Gebäude kollabieren scheinbar oder wachsen in abstrakte Formen hinein. Ein Paradebeispiel sind die Schlosslichtspiele Karlsruhe, bei denen jährlich die komplette Südfassade des Karlsruher Schlosses zur Projektionsfläche für künstlerische 3D-Mappings wird. Auch das Festival of Lights in Berlin ist ein Publikumsmagnet mit Stationen in der ganzen Stadt.

Gerade im Winter wird es immer noch früh dunkel – jetzt ist also noch die beste Gelegenheit, um Lichtkunst zu entdecken. Damit du die genauen Standorte und Hintergrundinformationen dazu findest, kannst du die kostenlose Artventure App nutzen.
Ich wünsche dir viel Freude beim Entdecken!
