Die Debatte um kontroverse Denkmäler im Jahr 2025
08.08.2025

Ausgelöst durch die Ermordung George Floyds durch US-Polizisten breitete sich im Jahr 2020 die schon länger bestehende Protestbewegung Black Lives Matter gegen rassistische Gewalt global aus, was auch auf historische Symbole im öffentlichen Raum Auswirkungen hatte. Allein in den USA wurden innerhalb weniger Monate über 160 Denkmäler entfernt – mehr als in den fünf Jahren zuvor zusammen.[1] Die Kritik traf vor allem Statuen von Konföderiertenführern, kolonialen Eroberern und Sklavenhaltern. Auch in anderen Teilen der Welt gerieten Monumente verstärkt in den Fokus. Darunter Statuen von Christoph Kolumbus, Robert E. Lee und Edward Colston.

Heute, fünf Jahre später, ist die Debatte nach wie vor von Bedeutung. In den USA unterzeichnete Präsident Trump im März 2025 eine Executive Order mit dem Titel „Restoring Truth and Sanity to American History“, die auf eine Rehabilitierung umstrittener Monumente und eine „Entideologisierung“ öffentlicher Institutionen abzielt. Ziel sei es, so der Text des Erlasses, die „objektive Wahrheit“ wiederherzustellen und „spalterische Narrative“ aus Museen, Gedenkstätten und Bildungseinrichtungen zu entfernen. Unter anderem sollen entfernte Konföderierten-Denkmäler wiedererrichtet und Ausstellungen, die sich kritisch mit Kolonialismus oder Rassismus auseinandersetzen, überprüft und überarbeitet werden.[2]

Kontroverse Denkmäler markieren oft konflikthafte Erinnerungslinien – etwa durch ihre Darstellung kolonialer, nationalistischer, diskriminierender oder rassistisch konnotierter Figuren und Ereignisse.[3] In öffentlichen und akademischen Debatten hat sich in den letzten Jahren ein breites Spektrum an Definitionen herausgebildet, die deutlich machen: Kontroversität ist kein feststehendes Merkmal, sondern ein relationaler Zustand, der sich aus dem Spannungsverhältnis zwischen Vergangenheit und Gegenwart ergibt. Wie es die Dissonant Heritage Advisory Group formuliert: „‚Dissonant‘ ist kein festes Label für einen Standort, sondern beschreibt die aktuelle öffentliche Wahrnehmung eines Ortes.“

Dissonante – also kontroverse – Denkmäler sind Orte, Statuen oder Artefakte, „die verbunden sein können mit negativen Erinnerungen, mit Konflikten und kontroversen Lesarten der Vergangenheit.“[4] Dazu zählen insbesondere Monumente mit Bezug zu kolonialer Expansion, rassistischer Gewalt, totalitären Regimen oder Persönlichkeiten, deren historische Rolle heute differenzierter betrachtet wird. Die Kontroverse kann sich dabei aus der ursprünglichen Intention eines Denkmals ergeben – etwa der Verherrlichung von Unterdrückung oder Gewalt –, aber auch aus nachträglichen Bedeutungszuschreibungen die dem sozialen Wandel in der Wahrnehmung des Dargestellten entspringen. Entscheidend ist also nicht allein, was ein Denkmal war, sondern was es im heutigen Diskurs bedeutet.

Auch im Ruhrgebiet gibt es diese kontroversen Denkmäler. Ein Beispiel ist das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Dortmund, welches mit pinker Farbe überzogen wurde, um ein Statement gegen dieses Denkmal im öffentlichen Raum zu setzen. Kaiser-Wilhelm-Denkmäler werden von einigen kritisch betrachtet, weil sie Symbolfiguren eines autoritären Nationalismus und eines imperialen Selbstverständnisses des Deutschen Kaiserreichs sind. Sie dienten im 19. und frühen 20. Jahrhundert dazu, die Monarchie, das Militär und die Einheit des Reichs zu verherrlichen. Dabei transportieren sie ein einseitiges, heroisiertes Geschichtsbild und blenden problematische Aspekte wie Kolonialgewalt, Militarismus und mangelnde demokratische Teilhabe aus. In der heutigen Erinnerungskultur stehen sie deshalb oft im Spannungsfeld zwischen historischer Dokumentation und kritischer Auseinandersetzung mit nationalistischen Narrativen.

Was denkst Du zu dieser Kontroverse? Ist es gerechtfertigt, juristisch geschützte Denkmäler mit Farbe zu markieren? Welche Denkmäler findest Du kontrovers?

Kaiser-Wilhelm-Denkmal
Kaiser-Wilhelm-Denkmal

Hubert Oswald Stier + Weitere


[1] Vgl. Rachel Treisman: Nearly 100 Confederate Monuments Removed In 2020, Report Says. More Than 700 Remain, in: NPR, 23. Februar 2021, online unter: https://www.npr.org/2021/02/23/970610428/nearly-100-confederate-monuments-removed-in-2020-report-says-more-than-700-remai (zuletzt abgerufen am 28. Juni 2025).

[2] Donald J. Trump: Restoring Truth and Sanity to American History, in: WhiteHouse.gov, März 2025, online unter: https://www.whitehouse.gov/presidential-actions/2025/03/restoring-truth-and-sanity-to-american-history/ (eigene Übersetzung, zuletzt abgerufen am 28. Juni 2025).

[3] Vgl. Dissonant Heritage Action Group: What Is Dissonant Heritage?, https://dissonant-heritage.info (zuletzt abgerufen am 30. Juni 2025).

[4] Ebd. eigene Übersetzung.

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