Yayoi Kusama ist tot – doch ihre Kunst bleibt weiterhin öffentlich sichtbar
28.08.2026

Punkte, Kürbisse, Unendlichkeit: Mit dem Tod von Yayoi Kusama im August 2026 endet das Leben einer Künstlerin, deren Bildsprache längst Kultstatus erreicht hat. Die große Retrospektive der Künstlerin im Museum Ludwig in Köln, die bis zum 3. August 2026 lief, brach sämtliche bisherigen Rekorde des Hauses. Zeitweise waren Tickets innerhalb weniger Stunden vergriffen und das Kontingent komplett ausverkauft. Aber woher kommt der Hype um die japanische Künstlerin?

Was inspirierte Yayoi Kusama künstlerisch?

Yayoi Kusama wurde 1929 in Matsumoto in Japan geboren und wuchs in einer konservativen Familie mit eigener Pflanzen- und Saatgutfarm auf. Früh begann sie zu zeichnen – darunter auch Kürbisse, die später zu ihrem Markenzeichen wurden. Kusama schilderte immer wieder, wie sie schon als Kind Halluzinationen hatte, in denen Felder aus Punkten und floralen Mustern sich über Wände, Möbel und ihren Körper ergossen. Indem sie diese Muster obsessiv malte, wurde das Bedrohliche kontrollierbar. Die Punkte wurden zu einer Sprache der Heilung und zu einem Bild für das Einswerden mit dem Universum.1

Die Liebe zu Kürbissen geht auf ihre Kindheit zwischen Gemüsefeldern zurück: Ein besonders großer Kürbis faszinierte sie so sehr, dass sie ihn immer wieder zeichnete; später beschrieb sie Kürbisse als Trost in Zeiten von Krieg und Entbehrung.2 Wenn sie Punkte über Kürbisse legte, verschmolzen beide Motive zu einem Ausdruck ihrer selbst.

Warum ist Yayoi Kusama so beliebt?

Mit ihren Punkten, Kürbissen und Infinity Rooms hat Kusama eine Bildsprache geschaffen, die tief in ihren persönlichen Erfahrungen und psychischer Selbstheilung wurzelte. Ihre Skulpturen und immersiven Räume laden dazu ein, sich selbst in Mustern und Wiederholungen zu verlieren. Die bunten Farben und raumgreifenden Installationen führen dazu, dass die Werke häufig fotografiert und in den sozialen Medien geteilt werden. Dadurch wurde Kusamas Werk in den letzten Jahren immer bekannter.

Doch bereits früh in ihrer künstlerischen Laufbahn erlangte sie Bekanntheit. Nach ersten Ausstellungen in Japan zog sie 1957/58 in die USA, zunächst nach Seattle und dann nach New York, wo sie mit ihren großformatigen „Infinity Net“-Gemälden und später mit phallischen Soft Sculptures schnell Aufmerksamkeit in der Avantgarde‑Szene erregte. In den 1960er‑Jahren wurde sie international bekannt für diese obsessiv gemusterten Netze, ihre provokativen Happenings mit punktbemalten, oft nackten Körpern im öffentlichen Raum sowie für frühe Spiegelinstallationen wie „Infinity Mirror Room – Phalli’s Field“, die sie weltweit bekannter werden ließen. Auch ihre Lebensumstände führten dazu, dass sich der Mythos um Kusama immer weiter verbreitete. Sie lebte seit den späten 1970er-Jahren freiwillig in einer psychiatrischen Klinik in Tokio und arbeitete dort zurückgezogen von der Welt künstlerisch weiter.3

Wo sind Yayoi Kusamas Werke zu sehen?

Kusamas Werke sind nicht nur in Museen weltweit ausgestellt, sondern auch im öffentlichen Raum zu sehen:

  • London, Großbritannien – „Infinite Accumulation“, Liverpool Street Station. Eine modulare Stahlskulptur aus glänzenden Kugeln und geschwungenen Stäben, die Kusamas Punkt‑Motiv in eine dynamische Raumstruktur überführt und die Umgebung spiegelt. Seit 2024 dauerhaft öffentlich zugänglich ausgestellt.
  • Naoshima, Japan – „Pumpkin“ und „Red Pumpkin“. Auf einem Steg vor dem Benesse House Museum steht Kusamas legendäre gelbe Kürbisskulptur; im Hafen empfängt Besucher*innen ein rot gepunkteter Kürbis.
  • Echigo‑Tsumari, Japan – „Tsumari in Bloom“. Eine großformatige Blumenplastik aus gepunkteten, organischen Formen, eingebettet in die Landschaft eines Skulpturenparks.
  • Lille, Frankreich – „Les Tulipes de Shangri‑La“. Acht Meter hohe Tulpen aus der „Flower Power“-Serie bilden seit 2004 ein farbiges Zeichen vor dem Bahnhof auf der Esplanade François‑Mitterrand. Kusamas erste öffentliche Skulptur auf dem europäischen Kontinent.
  • Hier ist eine Übersicht, wo ihre Werke im Außenraum zu sehen sind mit tollen Bildern und Inspirationen für die nächste Kunstreise: Outdoor Sculptures
  • Es gibt auch ein ganzes Museum zu Yayoi Kusama in Tokio.

Die Künstlerin ist im Alter von 97 Jahren gestorben. Es wird aber weiterhin Ausstellungen von ihren Werken geben und weitere Möglichkeiten, sich vor Ort mit ihrer Kunst auseinanderzusetzen. Was haltet ihr von Kusamas Kunst? Habt ihr sie schon in Echt gesehen? Schreibt es gerne unten in die Kommentare.

  1. https://www.museum-ludwig.de/fileadmin/content/00_Ausstellungen/_Medien/2026/Kusama/EN_press_kit_Kusama.pdf ↩︎
  2. https://warum-architektur.at/artikel/yayoi-kusama-und-der-riesenkuerbis/ ↩︎
  3. https://www.tagesschau.de/kultur/yayoi-kusama-gestorben-100.html ↩︎
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